28 Mai

Mein Bonn Come Back!

Zurück nach Bonn: Ich bin wieder hier!

Heute geht es im weitesten Sinne um Bewegung! Bewegt war ich als ich heute morgen um 11.11 Uhr (im karnevalistischen Rheinland eine, wenn nicht sogar DIE bedeutungsträchtigste Uhrzeit überhaupt) im Rathaus Bonn-Beuel meine Wartemarke zog und noch 32 Bürger vor mir in den Genuss deutscher Bürokratie kommen sollten.

Wieder daheim in Bonn!

So schlenderte ich zuerst durch die Friedrich-Breuer-Straße und kam an einem meiner Lieblingskinos, nämlich der Neuen Filmbühne vorbei und sah folgendes Filmplakat:

Filmplakat der Doku „Am Kölnberg“

Leider werde ich am 3. Juni 2015 keine Zeit haben, um mir diese Dokumentation anzusehen, weil ich diverse Läuferwaden während des Bonner Nachtlaufs massieren werde, aber vielleicht geht ja jemand anderes hin (Neue Filmbühne Bonn-Beuel, www.rex-filmbuehne.de). Das Filmplakat beeindruckte mich zutiefst, weil es mich an meine Kindheit in Darmstadt-Kranichstein so sehr erinnerte. Hochhauswände, sie sehen doch irgendwie überall in Deutschland gleich aus. Und der Kölnberg ist eins der gravierensten Beispiele von anonymer und menschenfeindlicher Bauarchitektur. Und dennoch erinnern mich derartige Bauten immer wieder an die Abenteuer, die ich inmitten dieses Betondschungels erlebt habe.

Zurück im Rathaus bewegte mich eine andere Situation: Eine sechsköpfige ausländische Familie (die Eltern konnten gebrochen Deutsch sprechen) musste für die Kinder Passbilder machen. Der Fotokasten sprach jedoch nur Deutsch und so half eine Dame (sie erzählte später, dass sie seit 60 Jahren in Beuel lebt und ursprünglich aus Luxemburg stammt), die Kinder unterlagert mit Prospekten (der Stuhl war für die Kinder zu niedrig) ordnungsgemäß für die Passsfotos zu positionieren. Diese Dame sagte nach der Aktion zu den anderen Wartenden, die sie für ihre Geduld lobten: „Stellen Sie sich mal vor, Sie müssten in Moskau einen Pass beantragen!“

Warum war ich im Rathaus? Um mich als Bonner Bürgerin anzumelden! Mein wohnungstechnischer Kurzausflug nach Wesseling hatte zur Folge, dass ich mich nach meinem Rückzug nach Bonn wieder offiziell anmelden musste. So saß ich also im Wartebereich und beobachtete das, warum ich diesen Flecken Erde so gerne habe. Man bleibt nicht lange alleine hier. Der komödiantische Wettstreit um die heißbegehrten Wartemarken (es wurden aufgrund des hohen Bürgeraufkommens heute keine weiteren mehr ausgegeben) war schnell eröffnet. Drei Stunden Sitzerei hatte jeder der Anwesenden schon hinter sich gebracht (einige davon gaben vorzeitig auf und hinterließen ihre Marken), aber ein platt gesessener Hintern schweißt irgendwie zusammen und so war es eine lustige Runde, die das lästige Warten auf die leichte Schulter nahm. Ein kleines Kind hätte beinahe auch seine ersten Schritte im Beueler Rathaus (tolle Story für eine zukünftige Wäscherprinzessin) gemacht, doch gerade locker über den Bärenstand in den Stand aufgerichtet, mussten die Eltern auch schon rein zum Bearbeitungsschalter.

Eine halbe Stunde später war ich dann endlich an der Reihe. Kaum waren meine Daten erfasst, erhielt ich ein Willkommenspaket, das ich in den nächsten Wochen rege nutzen werde. Endlich kann ich in all die Museen gehen und das kostenlos, wow! Danke! Jetzt lerne ich meine Heimat von einer anderen Seite kennen und komme wieder ein Stück mehr hier an!

In diesem Sinne, ahoi, tschööö und torööö!

Rosi